Fotos wie edle Gemälde

Walter&Hans

 

Hans G. Lauth und Walter J. Pilsak sind Könner der Fototechnik ”Lichtmalerei”

Von Ulla Britta Baumer

Waldsassen. Blüten, Bäume und Landschaften verwandeln sich in mystische Szenerien, sobald Hans G. Lauth aus Wiesau und Walter J. Pilsak aus Waldsassen zu ihren Fotokameras greifen und hinaus in die Natur gehen. Schon seit einigen Jahren experimentieren die beiden Fotografen mit der sogenannten “bewegten Kamera”. “Je nach Motiv wird die Kamera während der Belichtung in unterschiedlicher weise bewegt”, erklärt Hans G. Lauth, was es damit auf sich hat. Dabei fusioniert hier die Kunst der Fototechnik mit dem Zufallsprinzip: Kein Foto gleicht dem anderen, jedes Motiv ist ein Unikat für sich. Die so entstandenen Fotos zeigen Augenblicke, wie sie mit dem menschlichen Auge nicht wahrnehmbar, aber dennoch real sind. Dank der digitalen Fototechnik kann der Betrachter in die Zeitlosigkeit der Dinge eintauchen, in Ruhe die “Ewigkeit des Augenblicks” genießen und seine eigene Philosophie in diese Lichtmalereien hineininterpretieren. Blüten, Bäume und Landschaften sind im Café LebensArt im Ober- und Untergeschoß auf den Fotos von Lauth und Pilsak zu sehen. Und obwohl die beiden Fotografen die gleiche Technik anwenden, ist deutlich die individuelle Auslegung der Lichtmalerei in ihren Werken erkennbar. Während Hans G. Lauth als Motive häufiger Bäume und den Wald nutzt, sind Pilsaks Fotos eindeutig aus der blühenden, bunten Blumenwelt entstanden. Eines haben beide Betrachtungsweisen gemeinsam: die Lichtmalerei der beiden Künstler lässt die Mystik, das Märchenhafte unserer schönen Natur durchdringen, entführt den Betrachter in eine visionäre Traumwelt. Impressionismus mit der modernen Kamera hat seine Reize. Man sollte sich Zeit lassen beim Betrachten von Lauths und Pilsaks lichten Darstellungen. Die Ausstellung kann noch bis 15. Februar zu den normalen Öffnungszeiten des Café LebensArts besichtigt werden. Wer mehr von den beiden Künstlern (die außerdem Mitglieder der Fotofreunde Tirschenreuth sind und sich auch der Lyrik und Schriftstellerei verschrieben haben) erfahren möchte, kann dies auf der Homepage www.pilsak.de oder www.grenzlauthe.de. (Foto: Walter und Hans, Fotoautor: grenzlauthe.de)

 

 

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Wenn Dichtkunst die Ewigkeit überdauert

 

poetenabendmeyramkandemir

3. Poetischer Abend fesselte  Jung und Alt

Von Ulla Britta Baumer

Waldsassen. Erstaunlich, wie  Poesie manchmal die Ewigkeit überdauert. Dazu gehört der Popsong der 70er Jahre „Weißt du, wo die Blumen sind?“, den beim 3. Poetischen Abend im Café LebensArt am 3. Januar 2014 Oldies wie Jugendliche auswendig mitsangen. Angestimmt hatte ihn Liedermacherin Hülya Kandemir an diesem wieder sehr harmonischen Poetenabend, der gut 40 Hobbyschriftsteller, Gelegenheitsautoren und Zuhörer in seinen Bann zog. Hülya Kandemir war rein zufällig dabei, gab dem Abend aber eine exklusive „Würze“ mit zwei spontan gesungenen Liedern und ihrer Philosophie über die Beständigkeit des geschriebenen Wortes. 18 Jahren jung zog Hülya Kandemir aus, weg von Plößberg, um ihren Lebenssinn mit Folklore zu finden. Jetzt lebt sie in München als Sängerin, hat das Buch „Himmelstochter“ geschrieben und gibt Konzerte. Gekommen war sie wegen ihrer Nichte Meryem Kandemir aus Tirschenreuth. Die 18-Jährige trug Slam-Texte vor, Familienmitglieder und Freundinnen begleiteten das hochbegabte Mädchen, das mit einem Tagebucheintrag und tiefsinnig-rebellischen Texten einer Jugendlichen flugs die Herzen der Zuhörer erreichte. Unentbehrlich und ebenso beeindruckend setzten die jungen Gitarristinnen Jenny und Natalie Horn aus Waldsassen zusammen mit dem angehenden Musikstudenten Matthias Wolf aus Bärnau der Poesie das sprichwörtliche I-Tüpfelchen auf. Dichtkunst, selbst verfasst und vertont, hatte Matthias „Matze“ Wolf mit seinem Lied „Moonlight“ dabei.

So wechselten sich „alte Hasen“ der Schreibkunst, wie Hans G. Lauth aus Wiesau und Walter Pilsak aus Waldsassen mit Neulingen – die sich ein wenig aufgeregt ans Lesetischchen setzten – und erstaunlich viel jungen Leuten ab. Künstlerisch umgesetzt haben Lauth und Pilsak ihre Gedankenwelt zudem in Form von Lichtmalerei. Das sind surrealistische Fotografien, aufgenommen mit einer speziellen Belichtungstechnik. Mit Nachdenklichem überraschten Hildegard Lauth, Psychologische Beraterin aus Wiesau und Margret Seer, Seniorchefin des Modehauses Jäger & Turba Tirschenreuth. Als Profi überzeugte der zweifache Hobbybuchautor Johann Spörer aus Pullenreuth, von  Christa Vogl aus Guttenberg gab es unter anderem eine humorvolle Beschreibung eines Kuchenrezeptes der Großmutter, die mit Maßeinheiten wie  „a bisserl“, „a Tröpferl“ oder „a Stückerl“ kocht. Von Oberpfälzer Dialekt bis serbische Dichtkunst (dank Künstler Tom Brankovic aus Plößberg), von humoristisch bis philosophisch war wieder alles dabei beim dritten Treffen der Stiftland-Poeten. 

Und es wurden auch neue Pläne geschmiedet wie das Veröffentlichen der dargebotenen Dichtkunst in einem Jahresbuch oder ein Besuch von Dichterkollegen in Brankovic’s Heimat Serbien beim  dortigen internationalen Lyrikerfestival. Der nächste Poetische Abend findet voraussichtlich im April statt. Interessenten können sich bereits per Mail bei ullabritta.baumer@gmx.de melden und werden vorgemerkt. (Foto: Meyrem Kandemir, Fotoautor: Hans G. Lauth)

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Der Fremde

Der Fremde

Verloren hält mein Geist fest
an einem anderen Ort
Gewohntes erscheint fremd

Augen erleben Vergangenheit
Ich bin ein Fremder unter Freunden
alter Gesang hallt in mein Ohr
lässt nicht los, wo ich ihn verlor.

Geistlos bleibe ich zurück
bis endlich sich – und schade,
Gewohnheit in mich drängt.

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Auf Island pocht das Herz der Erde

Das erste, das ich von Island gesehen habe, waren die Frauen. Im Flugzeug servierten sie Wasser und Cola, kleine Snacks. Prächtige Frauen mit breiten Hintern, großen Brüsten und dicken, blonden Haaren, zusammengehalten im Nacken als Knoten. Nein, sie waren gewiss nicht dick zu nennen. Wohlgeformt erschienen sie mir. Sowieso schon hochgewachsen stiegen sie auf hohen Absätzen elegant im Flugzeug zwischen den Passagieren auf und ab, beugten sich über mich, um zu schauen, ob ich den Sicherheitsgurt angelegt habe. So müssen sie ausgesehen haben, die Wikingerinnen auf Island. Aber es sollte noch besser kommen, wenn ich auch zuerst das Wetter zu spüren bekam. Kaum hatte ich den Flughafen in Keflavik verlassen, riss mir ein rauer, scharfer Wind das Blatt Papier aus der Hand, das ich bei Rent a Car erhalten hatte. Schwer zog ich meinen Koffer, kämpfte mich gegen die stürmische Böe Richtung Parkplatz, wo ein Fahrzeug für meinen Urlaub auf Island für mich bereitstehen sollte. Der Wind wurde mein ständiger Begleiter. Wie oft habe ich ihn verflucht. Aber jetzt, im Nachhinein, wäre Island ohne diesen Wind nicht Island gewesen. Wie so vieles, das mich in nur zehn Tagen geprägt hat für mein weiteres Leben. Zumindest hält dieser Zustand “nach Island” bis heute, vier Wochen später, noch an. Nur wenige Kilometer hinter dem Flughafen blieb mir nur noch, zu staunen. Staunen über eine Urgewalt, die vergessen hat, sich weiterzuentwickeln und der Menschheit so Augenblicke der Ewigkeit ermöglicht. Einer Ewigkeit, die zurückführt zum Ursprung allen Lebens. Die Landschaft hätte ebenso auf einem fremden Planet stattfinden können. Schwarzes Gestein, spitz und unwirtlich, glänzend breitete es sich vor mir aus. Das Sonnenlicht einfangend schillerte das Vulkangestein in schwarz-violetter Farbe soweit mein Auge reichte, raubte mir den Atem und holte mich ein in der Vergangenheit eines Planet, der sich Erde nennt. Wo bin ich hier? Hätte mir jemand die Augen verbunden und mich einsam in dieser Landschaft ausgesetzt, hätte das unweigerlich einen Schreikrampf ausgelöst – einerseits vor Entzücken, andererseits vor Entsetzen. Wo bin ich hier? Wer hat das erschaffen und warum? Diesen ersten Eindruck folgten Tage des Staunens und Entzückens über eine Insel im Norden der Welt, die so anders als alles bisher Dagewesene den Menschen und seine Empfindlichkeiten zurückholt zum Ursprung. Still und weitläufig sind die Landschaften, besiedelt von wenig Menschen, die freundlich und unaufdringlich den Touristen als einen Teil ihres Lebens aufnehmen. Ich werde nicht hofiert, dafür akzeptiert. Wie gut das tut, ein Land zu erkunden, das sich seinen Charakter, seine Identität noch erhalten hat. Die Innenstadt von Rekjavik, die kleinen individuellen Geschäfte sind isländisch – keine Spur von feindlicher Übernahme durch H & M und Co. Wie die Menschen, die Isländer selbst. Keine Anzeichen von Angleichung an europäische Normen. Diese Menschen sind Nordländer, typischer können sie nicht sein. Fast weißblond die jungen Männer, großgewachsen. Strohblond mit dicken Zöpfen und großen Busen die Mädchen. Markante Gesichter, weit und breit kein Heidi-Klum-Verschnitt. die älteren Menschen gezeichnet von Wind, Wetter, Entbehrungen. Welch grandiose Menschen in grandiosen Landschaften. Der Weg zurück von der Blue Lagune zu meiner Hütte führt am Meer entlang. Ich suche die schwarzen Strände, den schwarzen Lava-Sand. Aber hier ist er nicht, hier ist Einsamkeit, Einsamheit und wieder Einsamkeit. Die Straße gehört mir alleine, Kilometer für Kilometer begegnet mir nichts als der Wind. Links zerklüftete Vulkanberge, rechts das Meer ohne ein einziges Schiff oder Anzeichen von Leben. Nur selten ein einsames Haus an der Küste. Wie ein vom Sturm gebeutelter Baum scheint sich das Haus schief geraten mit den Jahren immer enger an Mutter Erde zu drücken in der Hoffnung, Erlösung von dieser Unwirtlichkeit zu erfahren, endlich. Warum lebt man hier inmitten dieser Einsamkeit an diesem Platz, der keinen Schutz bietet vor nichts? Es kommt noch “schlimmer”. Und diesmal bin ich derart beeindruckt, was an achtungsvoll grenzt. Hekla begleitet meine Ausflüge Tag für Tag. Aber Hekla – der größte Vulkan der Insel – kommt nicht näher. Ich fahre ihm entgegen, endlich scheint es, komme ich ihm näher. Nein, er rückt ab von mir. Ich habe nichts erreicht, Hekla ragt weit hinten am Horizont hoch in den Himmel, von weißen Gletschern bedeckt. Wie Hekla foppen hier alle Vulkane, alle Erhöhungen und Berge die Touristen. Was die Isländer längst gewohnt sind, ist unbegreiflich. Die klare Luft, die weite Sicht lässt alle Dinge näherrücken, bis ich ihnen näherkomme. Sofort rücken sie wieder von mir ab und ich muss mich von Neuem auf den Weg zu ihnen machen. Manches habe ich endlich erreicht, es waren die Ziele, die ich mir gesetzt hatte. Vieles, was ich mit dem Auge täuschend echt längst erreichen hätte müssen, konnte ich bis zum Schluss meines Urlaubs auf Island nie erreichen. Hekla wurde mein neuer Gott. Jedes Mal beim Blick aus dem Hüttenfenster oder Auto schaute ich nach Hekla. Und er war immer präsent. In seinen Bann gezogen hat mich der noch tätige Vulkan dann in seinem eigenen Museum, dem Heklazentrum. Ja, der Vulkan hat ein eigenes Museum, obwohl er doch noch lebt und nicht wie üblich in ein Museum als eine Legende oder vergangene Epoche gepresst wurde. Hekla ist ständig präsent auf Island, die Menschen fürchten ihn wie sie ihn achten und bewundern. Alle zehn Jahre zeigt sich Hekla den Menschen, spuckt Lava und Asche aus, glüht in den dunklen Nächten, lockt mutige Neugierige zu seinen speienden Kratern. Hätte Hekla gespeit während meiner wenigen Tage auf Island, ich wäre mit hinaufgewandert zu seinen Gipfeln und Kratern, auch auf die Gefahr hin, in Gefahr zu geraten. Aber Hekla tat mir den Gefallen nicht, ich musste Vorlieb nehmen mit dem Wissenswerten in seinem Center. Aber auch hier war Hekla präsent, fraglos fast ein wenig gespenstisch-gruselig. Ein Seismograph zog Linie für Linie über einen Bildschirm. In jeder dritten Linie eine Unterbrechung, ein kleines Beben zeichnet sich auf. Daneben der Bildschirm mit Heklas Bewegungen, digital aufgezeichnet in bunten ineinander fließenden Farben. Fasziniert starre ich auf die Bildschirme, schaue Hekla beim Leben zu. Dazu die wummenden Töne, leise, dann lauter, regelmäßig, bald wieder schneller und hektischer. Ich lausche und lausche, will Hekla in mich aufsaugen, fühle mit ihm, als sei ich ein Teil des lebendigen Vulkans. Hier, bin ich mir felsenfest sicher, hier pocht das Herz der Erde.

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Nicht ist mehr

Wenn ich sterbe
möchte ich
mit mir selbst sein

keine Hand in meiner Hand
kein Mitleid in deinen Augen
keine Träne für mein Leben
das verflossen und vorbei

Wenn ich sterbe
möchte ich
für mich selbst sein

kein Bedauern in eurem Blick
keine Ungeduld im Tun anderer
kein Schluchzen um mein Sein
das verflossen und vorbei

Wenn ich sterbe
möchte ich
für mich selbst beten

kein weiches Bett in Schweiß
kein Jammern um ein Dasein
keiner singt um meine Seele
die verflossen und vorbei

Wenn ich sterbe
möchte ich
mit mir selbst sterben

verkrochen vor dem Leben
nur mein Lachen, mein Weinen
unter einem Baum
für mich alleine mit dem Tod

in Würde

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Teil von mir

Es gibt noch einen Teil von mir
der aus weiter Ferne
nach mir ruft

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Fluch

Das Leben ist flüchtig
die Flucht ein Fluch

das Leben ist trunken
ertrunken im Fluch

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Liebe in Händen

Ich nehme meine Liebe
und lege sie
in deine Hände
Du kannst sie annehmen
und hüten wie einen Schatz
der nur dir alleine gehört
du kannst sie erwidern
und mir als Pfand
deine Liebe dafür geben
du kannst sie ignorieren und mich auf ewig
im Ungewissen lassen
du kannst sie ablehnen,
dann brichst du mir
das Herz
du kannst damit machen
was immer du willst
ein dir zu mir ist ohne Anspruch
doch wisse,
was du auch  tust:
es wird immer
meine Liebe zu dir bleiben

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Die Chinesen Kommen

Berlchinger und Trutzinger Episode 2

„So. Etza is a endle weg.“ So einen tiefen Seufzer hat die Meier-Lehner Anni noch nie in ihrem Leben geseufzt. Die fesche Stuartesse, die an ihr vorbeiging, hat zweimal hingeschaut und gedacht: „Mei, wie jemand so herzzerreißend seufzen kann“. Die Meier-Lehner Anni hat den Greininger Fritz auf den Flughafen München begleitet, als der sich heimlich nach Shanghai davongeschlichen hat. Sie hat recht schee mit ihm getan, als würde sie ihn bedauern. Und als sei sie die einzige, die Verständnis für den Greininger Fritz und seine Managersorgen hat. „Mei, Fritzl,“ hat die Meier-Lehner Anni gesäuselt, „du musst halt a mal weg aus diesem Dorf. Du bist für was Bessas gebor’n. I kann di guad versteh’n, wenn’st nach diesa G’schicht mit da Trutzinger-Kanona erst mal abhau’st. I würd’ di so gern begleit’n. Aba des geht hald niet. I muss ja arwan.“ Der Greininger Fritz hat in seinem Elend wirklich gemeint, die Meier-Lehner Anni ist auf seiner Seite und hat sie sogar ganz fest umarmt, als sein Flieger nach Shanghai aufgerufen worden ist. Beinahe wäre er sogar da geblieben. Wenn man Sorgen hat, freut man sich über jeden „Strohhalm“, der zu einem hält. Und in diesem Moment war die Meier-Lehner Anni aus Berlchingen dieser Strohhalm für ihn. Fast hat er sich ein wenig in sie verliebt. Ja, das gibt es. Man kann sich in wenigen Sekunden in einen anderen verlieben. Des geht ganz schnell, ein tiefer Augen-Blick – und scho is g’scheng um einem. Gut, dass auf dem Münchener Flughafen alle Shanghai-Reisenden just in diesem Augenblick aufgerufen worden sind, in ihr Flugzeug zu steigen. Sonst wäre der Augen-Blick vom Greininger Fritz mit der Meier-Lehner Anni so tief ausgefallen, dass er am Ende der Meier-Lehner Anni einen Heiratsantrag gemacht hätte. Ganz spontan. Dabei ist die fünf Jahre älter als er. Und sie ist ihm eigentlich auch viel zu bieder. Zu „provinziell“, wie er immer zu sagen pflegte, wenn er mit seinen Kumpels Frauengespräche führt. „Na und wieda na“, so der weise Spruch des Greininger Fritzens, „a Wei aus da Provinz würd i niemals heiran. Nur aus der Großstadt, nur aus der Großstadt“. Weiterlesen

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Dream of Peace – der Traum von Frieden

Frieden ist eine große Sache– die klein beginnt. Wie so viele Dinge, die von uns unbeachtet auf der Welt geschehen:

ein Tropfen Wasser
bringt ein Glas zum Überlaufen

winzige Farbkleckse
verschmelzen zu einem klaren Bild

ein kleines Steinchen
stützt ein gewaltiges Gebirge

der Flügelschlag eines Schmetterlings
löst Sturmböen aus

ein einziges freundliches Wort
schafft Frieden

Frieden beginnt in der Seele. Dort, wo es am meisten schmerzt, wenn Menschen Grausamkeiten begehen:

müde
weiter Hass zu verbreiten

müde
immer nur Neid zu empfinden

müde
Tag für Tag Gleichgültigkeit zu leben

müde
nur von Ungerechtigkeit zu schreien

müde
ständig hinter die Angst zu kriechen

- endlich bereit für den Frieden

The Dream of Peace – der Traum von Frieden –

Was heißt das für uns Menschen? Zweifellos ist er noch nicht austräumt, dieser Traum von Frieden. Und ich bin mir nicht einmal sicher, dass ihn nicht auch jene Menschen träumen, die Hass, Gewalt und Leid unter die Menschheit streuen.
Doch immer öfter tragen Gut und Böse – zwei Kontrahenten um die Gunst der menschlichen Seele – ihren Kampf öffentlich aus. Und mein Glaube an „Gut und Böse“ erscheint mir immer häufiger in einer mir völlig unbekannten Dimension, die mir Angst macht – da ich ebenfalls Gut und Böse in mir trage.

„Jesus, wir wollen doch Frieden. Wie kannst du es da zulassen, dass sich unter den Menschen immer mehr Hass ausbreitet?“ Unausweichlich drängt sich diese Frage auf. Aber Jesus möchte, dass wir die Antwort selbst herausfinden. Und damit sind wir Suchende, ein Leben lang.

Denn es sind nicht allein die großen Schreckensszenarien im Weltgeschehen – dargeboten von grausamen Gewalttätern, die keine Liebe mehr in sich tragen – die den Frieden verhindern. Der Mensch in seiner ganzen Intensität des Menschseins verhindert ihn selbst täglich. Mit seinen Gedanken, Worten und Taten, an allen Orten der Welt. Aber meist nur dann, wenn eine medienträchtige Gewalttat passiert, groß aufgemacht in Funk und Fernsehen, komprimieren sich unser Gefühle aus Wut, Trauer, Entsetzen, Betroffenheit und Grauen zu ein paar stillen Minuten, in denen uns unsere Seele befiehlt, darüber nachzusinnen. Dann stehen wir vor dem Trümmerhaufen unserer zivilisierten Wohlstandswelt, die sich just in jenem Moment nicht vereinbaren lässt mit dem gleichzeitig entstandenen Trümmerhaufen unserer eigenen Emotionen.

So, als müssten wir erst wieder lernen, uns auch außerhalb von Idealen wie Materialismus und Technologie-Intelligenz zu bewegen. Umso grausamer wird deutlich, dass wir zwar schon seit Jahrtausenden um den Frieden ringen, aber keinen Schritt weiter gekommen sind.

Verschwenden wir etwa zuviel von unserer Energie auf Nebensächliches? Bis wieder eine dieser Gewalttaten passiert, an denen Hightech und chromblitzende menschliche Genialität hilflos versagt, niedergeschmettert vor dem unheimlich starken Zwang einiger weniger Menschen, blinden Hass zu verbreiten. Meine Ehemann hat einmal gesagt: Würden wir Menschen all die kraftvolle uns zur Verfügung stehende Energie statt auf das Ersinnen und Schaffen von Waffen und neuen Grausamkeit gegenüber den Mitmenschen auf schöne Dinge konzentrieren, wäre das der Frieden auf Erden.

Ein schöner Traum: Aber wie weit sind wir in Wirklichkeit noch davon entfernt! Was hilft alle Intelligenz, wenn wir es gleichzeitig nicht schaffen, diesem Hass unsere ebenfalls in uns wohnende Liebe entgegenzusetzen – in der gleichen Stärke, wie uns dieser Hass entgegenschlägt.

So suchen wir vergebens weiter nach dem Pfad, der unserer Traumbild „Frieden“ für uns an seinem Ziel aufbewahrt. Bis wir endlich bereit sind, es besitzen zu dürfen.
Bis dahin ist noch lange nicht alles zu Ende gedacht. Und deshalb dürfen wir nicht aufhören damit, den Traum von Frieden weiterzuträumen. Denn: Alles, was auf dieser Welt von Menschenhand geschieht, ist zuerst einmal ein Traum, ein Gedanke. Im Guten wie im Schlechten.

Und nun, zum Schluss, mein persönlichen Traum von Frieden:

ein reifer Apfel in der Hand
ein freundliches Wort von gegenüber
lachende Kinderaugen auf der Straße
ein Gänseblümchen am Wegrand
ein glatter Kieselstein im Bachbett
ein glitzernder Tautropfen auf dem Grashalm
klingende Gitarrensaiten aus der Ferne

und nur dafür leben

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