Dream of Peace – der Traum von Frieden

Frieden ist eine große Sache– die klein beginnt. Wie so viele Dinge, die von uns unbeachtet auf der Welt geschehen:

ein Tropfen Wasser
bringt ein Glas zum Überlaufen

winzige Farbkleckse
verschmelzen zu einem klaren Bild

ein kleines Steinchen
stützt ein gewaltiges Gebirge

der Flügelschlag eines Schmetterlings
löst Sturmböen aus

ein einziges freundliches Wort
schafft Frieden

Frieden beginnt in der Seele. Dort, wo es am meisten schmerzt, wenn Menschen Grausamkeiten begehen:

müde
weiter Hass zu verbreiten

müde
immer nur Neid zu empfinden

müde
Tag für Tag Gleichgültigkeit zu leben

müde
nur von Ungerechtigkeit zu schreien

müde
ständig hinter die Angst zu kriechen

- endlich bereit für den Frieden

The Dream of Peace – der Traum von Frieden –

Was heißt das für uns Menschen? Zweifellos ist er noch nicht austräumt, dieser Traum von Frieden. Und ich bin mir nicht einmal sicher, dass ihn nicht auch jene Menschen träumen, die Hass, Gewalt und Leid unter die Menschheit streuen.
Doch immer öfter tragen Gut und Böse – zwei Kontrahenten um die Gunst der menschlichen Seele – ihren Kampf öffentlich aus. Und mein Glaube an „Gut und Böse“ erscheint mir immer häufiger in einer mir völlig unbekannten Dimension, die mir Angst macht – da ich ebenfalls Gut und Böse in mir trage.

„Jesus, wir wollen doch Frieden. Wie kannst du es da zulassen, dass sich unter den Menschen immer mehr Hass ausbreitet?“ Unausweichlich drängt sich diese Frage auf. Aber Jesus möchte, dass wir die Antwort selbst herausfinden. Und damit sind wir Suchende, ein Leben lang.

Denn es sind nicht allein die großen Schreckensszenarien im Weltgeschehen – dargeboten von grausamen Gewalttätern, die keine Liebe mehr in sich tragen – die den Frieden verhindern. Der Mensch in seiner ganzen Intensität des Menschseins verhindert ihn selbst täglich. Mit seinen Gedanken, Worten und Taten, an allen Orten der Welt. Aber meist nur dann, wenn eine medienträchtige Gewalttat passiert, groß aufgemacht in Funk und Fernsehen, komprimieren sich unser Gefühle aus Wut, Trauer, Entsetzen, Betroffenheit und Grauen zu ein paar stillen Minuten, in denen uns unsere Seele befiehlt, darüber nachzusinnen. Dann stehen wir vor dem Trümmerhaufen unserer zivilisierten Wohlstandswelt, die sich just in jenem Moment nicht vereinbaren lässt mit dem gleichzeitig entstandenen Trümmerhaufen unserer eigenen Emotionen.

So, als müssten wir erst wieder lernen, uns auch außerhalb von Idealen wie Materialismus und Technologie-Intelligenz zu bewegen. Umso grausamer wird deutlich, dass wir zwar schon seit Jahrtausenden um den Frieden ringen, aber keinen Schritt weiter gekommen sind.

Verschwenden wir etwa zuviel von unserer Energie auf Nebensächliches? Bis wieder eine dieser Gewalttaten passiert, an denen Hightech und chromblitzende menschliche Genialität hilflos versagt, niedergeschmettert vor dem unheimlich starken Zwang einiger weniger Menschen, blinden Hass zu verbreiten. Meine Ehemann hat einmal gesagt: Würden wir Menschen all die kraftvolle uns zur Verfügung stehende Energie statt auf das Ersinnen und Schaffen von Waffen und neuen Grausamkeit gegenüber den Mitmenschen auf schöne Dinge konzentrieren, wäre das der Frieden auf Erden.

Ein schöner Traum: Aber wie weit sind wir in Wirklichkeit noch davon entfernt! Was hilft alle Intelligenz, wenn wir es gleichzeitig nicht schaffen, diesem Hass unsere ebenfalls in uns wohnende Liebe entgegenzusetzen – in der gleichen Stärke, wie uns dieser Hass entgegenschlägt.

So suchen wir vergebens weiter nach dem Pfad, der unserer Traumbild „Frieden“ für uns an seinem Ziel aufbewahrt. Bis wir endlich bereit sind, es besitzen zu dürfen.
Bis dahin ist noch lange nicht alles zu Ende gedacht. Und deshalb dürfen wir nicht aufhören damit, den Traum von Frieden weiterzuträumen. Denn: Alles, was auf dieser Welt von Menschenhand geschieht, ist zuerst einmal ein Traum, ein Gedanke. Im Guten wie im Schlechten.

Und nun, zum Schluss, mein persönlichen Traum von Frieden:

ein reifer Apfel in der Hand
ein freundliches Wort von gegenüber
lachende Kinderaugen auf der Straße
ein Gänseblümchen am Wegrand
ein glatter Kieselstein im Bachbett
ein glitzernder Tautropfen auf dem Grashalm
klingende Gitarrensaiten aus der Ferne

und nur dafür leben

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Eine Antwort auf Dream of Peace – der Traum von Frieden

  1. Wow. Wunderschön und traurig zugleich. Doch bewegend.

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